70 STUNDEN MAILAND - EIN WOCHENENDE IN ITALIEN

Der maue Frühling, der das Land derzeit noch immer im festen Griff hat, hatte mich dazu gebracht, meine Entscheidung über das verlängerte Osterwochenende von Berlin in Richtung Süden aufzubrechen, schon zu feiern, bevor ich überhaupt vor Ort angekommen war.

Das letzte Mal hatte ich Mailand zu Gesicht bekommen, als ich noch in der Grundschule war und wir eine Woche im Schullandheim am Lago Maggiore verbrachten, inklusive Tagesausflug in besagte Metropole. Wie Du dir jetzt sicherlich schon denken kannst, hatte ich kaum noch Erinnerungen an die Stadt und kam also quasi blind vor Ort an. Trotzdem kann ich Dir schon vorneweg verraten, dass Mailand mich wirklich überzeugt hat.

Milano ist weltoffen, kulturell sowie architektonisch äußerst ansprechend, trotz Modeweltstadt verspürt sie italienischen Flair en masse und vom industriell angehauchten Gesicht, vor dem ich im Voraus gewarnt wurde, habe ich nicht wirklich viel mitbekommen.

Die Anreise

Los ging es zu erschreckend früher Stunde. Pünktlich um 07:25 Uhr hob der Ryanair-Flieger von Berlin-Schönefeld in Richtung Bergamo ab, was allerdings auch seinen Vorteil hatte, da ich und meine gute Freundin Lisa, die mir dieses Mal zur Seite stand, ja etwas von unserem Wochenende in Mailand haben wollten. Ziemlich verschlafen landeten wir schließlich um kurz nach halb neun auf dem Aeroporto Internazionale die Orio al Serio, rund 60km vom Zentrum Mailands entfernt und wurden bereits von ziemlich angenehmen Temperaturen empfangen.

Da wir nur mit Handgepäck reisten ging es recht schnell aus dem Flughafen heraus. Von Bergamo nach Mailand zu kommen ist nicht wirklich schwierig.


Vor dem Flughafen warten duzende Reisebusse, die direkt und nonstop zum Hauptbahnhof fahren und das für nur 5€. Knapp 45 Minuten später waren wir auch schon in der Stadt angekommen und dank Google Maps wussten wir auch, welchen Bus wir zu unserer Unterkunft nehmen mussten. Die Haltestelle war ebenfalls schnell gefunden, da besagte Buslinie direkt neben unserem Ankunftsort losfuhr. Die Sache mit dem Ticket in Mailand war jedoch eine andere. Da es nirgendwo einen Ticketschalter gab, gingen wir davon aus, dass es im Bus einen geben musste, eben wie in der Tram in Berlin.

Der Bus fuhr ein, wir standen in der Tür, relativ ratlos fragte ich den Fahrer nach einem Ticket und der palaverte mich auch gleich in flottem Italienisch zu, von dem ich kein Wort verstand, da meine Italienischkenntnisse sich auf zwei Jahre Grundschule beschränken. Was ich verstand war, dass Lisa von der Tür weggehen sollte, da er weiterfahren wolle, also stiegen wir ein und unsere erste Tat in Mailand war tatsächlich das Schwarzfahren. Zum Hotel kamen wir trotzdem.

Damit es Dir nicht genauso wie mir ergeht, hier die Lösung des Ticket-Problems. Jeder Tabak- und Zeitungsladen in Mailand verkauft Tickets, die für Bus, Straßenbahn und Metro gelten. Natürlich kannst Du auch in der Metro selbst Tickets kaufen, aber so kommst Du wirklich überall vor Ort an eine Fahrkarte. Eine Einzelfahrt kostet 1,50, muss im öffentlichen Verkehrsmittel Deiner Wahl abgestempelt werden und Du kommst damit durch die gesamte Stadt.

Die Unterkunft

Eigentlich hatte ich geplant in einem AirBnB unterzukommen, jedoch hatte mir mein Lieblingshotelportal einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, denn genau an dem Tag, an dem Lisa und ich uns mit der Suche nach einer passenden Unterkunft beschäftigten, traf ich auf ein FTI Low Cost Special, das über Hotelreservierung ausgespielt wurde und uns somit die Übernachtung inklusive Frühstück im vier Sterne Mercure Milano Regency ermöglichte und zwar anstelle von 95€ die Nacht für 24€. Also haltet die Augen offen, denn über >>Hotelreservierung<< gibt es immer wieder tolle Specials und bei diesem Preis konnte kein AirBnB mithalten.

Das Hotel selbst machte von Außen her einen sehr ordentlichen Eindruck mit den kunstvoll gemauerten Balkonen und dem dunkelroten Backstein, auch von Innen her sah es sehr schick aus mit einem liebevoll gepflegten Innenhof, der mich doch sehr an mein Hotel in Havanna erinnerte und poliertem Marmorboden. Großer Nachteil war, dass es nur einen sehr klapprigen Aufzug gab, welcher uns nach oben in den zweiten Stock brachte und mir jedes Mal einen kleinen Herzinfarkt einbrachte. Das Zimmer selbst war zwar nicht das größte, aber ebenfalls sauber und das Bad hatte ein begehbare Dusche, in der auch vier Personen locker Platz gefunden hätten, sogar einen Balkon hatten wir. Ansonsten war das Hotel und somit auch das Zimmer etwas in die Jahre gekommen und hatte hier und da ein paar Ecken, die mal wieder aufpoliert hätten werden können, was uns jedoch nicht wirklich störte. Kostenloses WLAN gab es auch, jedoch war die Verbindung zu schlecht, das man das Internet quasi nur für die nötigsten Dinge nutzen konnte.

Das im Preis inbegriffene Frühstück war ein kontinentales mit den üblichen Verdächtigen in Form von Obst, Müsli, frischem Käse und Wurst, ziemlich verbrannten Croissants, Roggenbrot, Pancakes und Waffeln in Ordnung. Dazu wurde Tee serviert, den üblich chemisch schmeckenden Saft und Kaffee. Alles in allem war es essbar und wir wurden satt, aber mehr hatte ich auch nicht erwartet bei einem Continental Breakfast.

 

Fazit: im Grunde genommen kann ich das Mercure Milano Regency empfehlen, jedoch nur, wenn Du es auch zu einem günstigen Sonderpreis bekommst, wie ich es habe, ansonsten ist es doch etwas zu sehr in die Jahre gekommen, um 95€ pro Nacht zu bezahlen. Die Lage des Hotels ist jedoch ein großes Plus, da es sehr nahe am Zentrum gelegen ist und da die Straßenbahn quasi vor der Haustür abfährt.

Was man in Mailand sehen muss

Mit der Straßenbahn ging es für uns in Richtung Zentrum, die Linie eins hält direkt vor dem Piazza Castello, welcher der perfekte Ausgangspunkt ist, um so ziemlich alles in Mailand zu Fuß zu erkunden. Innerhalb von drei Tagen haben wir knapp 56km zu Fuß zurückgelegt, ich würde Dir also empfehlen, ziemlich bequemes Schuhwerk mitzunehmen. ;)

Mailänder Dom – Galleria Vittorio Emanuele II

Natürlich ist der Piazza del Duomo einer DER Touristenhotspots in Mailand, von Deiner Liste solltest Du ihn trotzdem nicht streichen, denn die Architektur und Bauweise der beiden weltberühmten Gebäude ist einfach atemberaubend. Vom Piazza Castello kannst Du bequem durch die Fußgängerzone in der Via Dante und weiter über die Via Orefici zum Dom laufen, neben dem sich direkt die berühmte Luxusmall Galleria Vittorio Emanuele II in die Luft erhebt.

Auf dem Dom selbst waren wir nicht, da die Schlange einfach zu lang war, aber falls Du unter der Woche in Mailand bist, solltest Du in der Früh gleich vor Ort sein und den Ausblick über die Dächer der Stadt genießen. Das Ticket ist mit 12€ absolut erschwinglich.

Die Mall selbst raubt absolut den Atem und zwar nicht, wegen der Luxusgeschäfte Prada, Louis Vitton und Co., die einen begrüßen, sondern von den riesigen Decken, die mit einer absoluten Liebe zum Detail kunstvoll verziert wurden und dem ebenso kunstvollen Boden.


Shopping

Vom Dom aus kommt ihr in die Via Torino, die sich perfekt zum Shoppen eignet und in der Du auch Läden findest, die nichts mit Luxus zu tun haben.

Corso di Porta Ticinese

Die Via Torino läuft in die Corsa di Porta Ticinese, dort findest Du die Basilica di San Lorenz di Milano. Die Kirche erhebt sich vor den mittelalterlichen Stadttor und vor einer Reihe von zwölf Säulen, welche noch aus Zeiten des römischen Reiches stammt. Zwischen den ganzen Shops ein äußerst kontrastreiches Bild, welches Du dir nicht entgehen lassen solltest.


Die Navigli

Die Navigli sind die letzten Kanäle, die noch durch Mailand fließen. Einst hatte die Stadt fast so viele Kanäle wie Venedig und hier findest Du nun die letzten Überreste. Um die Kanäle herum haben sich Restaurants und kleine Shops angesammelt. Hier kannst Du entspannt deinen Nachmittag in der Sonne verbringen, lecker essen und am Wasser entlang schlendern. Oft finden hier auch Flohmärkte statt, auf denen sich immer ein Schnäppchen machen lässt.


Parco Sempione

Im Parco Sempione kommen Locals, sowie Touristen zusammen und entspannen bei Musik. Bei sonnigen Wetter ist der Park wirklich voll, trotzdem ist es sehr entspannt vor Ort. Am anderen Ende des Parks findet ihr den berühmten Arco della Pace. Der Friedensbogen erinnert an den Europäischen Frieden von 1815.


Brera

Das Viertel Brera hat mir persönlich am besten gefallen. Die engen und verwinkelten Gassen, voller kleiner Läden, Märkte und Restaurants lassen einen vergessen, dass man sich in einer Weltstadt befindet, sondern man bekommt sofort das Gefühl, dass man sich auf einem kleinen italienischen Dorf befindet. Lass Dich von den Ateliers und Gallerien verzaubern.


Cimitero Monumentale

Ja, Du hast richtig gelesen, hierbei handelt es sich um einen Friedhof. Das Ganze gleicht allerdings eher einem Monument anstatt eines Friedhofs. Alleine die Eingangshalle raubt einem, mit meterhohen Decken in Gold und Samtblau verziert, den Atem gefolgt von den duzenden Mausoleen, die eher wie eine Ansammlung historischer Kirchen wirkt, anstatt wie Gräber.


Restaurants in Mailand

  • Patty Bakery Bistro – mitten im Zentrum und doch kein Touristenhotspot. Hier sitzt Du mit den Locals und kannst alla carte genießen oder etwas direkt von der Auslage auswählen. Patty eignet sich perfekt für einen kleines Lunch, um sich für den Nachmittag zu stärken und ist preislich für Mailand eher im unteren Segment gelegen. Das für italienische Küche doch etwas ungewöhnliche Clubsandwich schmeckt wirklich gut und eignet sich perfekt für einen Mittagssnack.
  • Monopoli – die Pizzeria, etwas außerhalb des Zentrums, wird familiär geführt und überzeugt mit simplen Charme und Steinofen Pizza, der man übrigens beim Backen zusehen kann, da der Pizzabäcker sich im Restaurant selbst befindet. Preislich ist auch hier alles im Rahmen und die Pizza Funghi ist mit ihrem hauchdünnen Boden ein echtes Highlight. 

  • Rinomata Gelateria – wer in Italien ist, sollte nicht auf ein leckeres Gelato verzichten und in der Rinomata Gelateria, direkt an den Navigli-Kanälen, kannst Du nichts falsch machen. Die traditionelle Eisdiele strahlt authentischen Flair aus und über die Portionen kann man sich ebenfalls nicht beschweren. Viele Einheimische kehren hier ebenfalls zum Eisessen ein.
  • Buona Forchetta – ebenfalls bei Navigli gelegen, in der Via Casale und somit bedeutend günstiger als die Restaurants direkt am Kanal, findest Du dieses italienische Restaurant. Der Service ist schnell, freundlich und man sitz sehr schön, im Innen- sowie Außenbereich. Empfehlenswert sind hier die Pennette all'arrabbiata, die durch ihre geschmackvolle Schärfe bestechen. 

Darauf solltest Du in Mailand achten

  • Die afrikanischen Armbandverkäufer rund um den Mailänder Dom – Duzende der „Verkäufer“ laufen hier herum, kommen auf die Touristen zu und binden ihnen ein dünnes Armband um's Handgelenk. Sobald das Armband sitzt, wollen sie natürlich Geld und sie sind nicht zimperlich, ich musste ziemlich ruppig werden, um in Ruhe gelassen zu werden.
  • Aufpreis für Brot und Besteck – Brot gehört zum italienischen Essen, wie Salz ins Nudelwasser. Egal, in welchem Restaurant man ist, man bekommt immer einen Brotkorb an den Tisch gestellt, jedoch ist dieser nicht immer gratis. Sollte das Brot NICHT kostenlos sein, ist es normalerweise in der Karte verzeichnet und wird mit einem Aufschlag berechnet, wenn man es isst. Rührt man es nicht an, wird es auch nicht berechnet. Steht nichts in der Karte, ist es kostenlos. Ebenfalls in der Karte verzeichnet ist ein Aufpreis für Gedeck, den manche Restaurants verlangen und sich somit ihr Trinkgeld vorneweg sichern. Solltet ihr in so ein Restaurant kommen, könnt ihr euch mit dem Trinkgeld geben zurückhalten.
  • Touristensteuer – Hiervon wurden wir ehrlich gesagt etwas überrascht, als beim Auschecken aus dem Hotel nochmal 30 Euro Touristensteuer fällig wurden. Offensichtlich ist in mehreren italienischen Städten der Fall, dass diese verlangt wird. Eigentlich kann man die Steuer mit der Kurtaxe, die u.a. an der Ostsee kassiert wird, vergleichen, wobei der Preis in Mailand wirklich überzogen ist. 

Das Ende vom Lied

Unser Flug zurück ins kalte Deutschland ging leider schon sehr früh am Montag Morgen und zwar von Linate nach Berlin-Tegel. Aber drei Tage sind definitiv ausreichend, um alles Wichtige in Mailand zu Gesicht zu bekommen und sich dabei nicht abhetzen zu müssen. Außerdem hat die Stadt mich sehr überrascht in Sachen Kosten. Ich habe nur die Hälfte an Budget verbraucht, als ich eigentlich eingeplant hatte.


Mailand selbst hatte uns mit blauem Himmel und Temperaturen zwischen 25°C und 30°C empfangen und alles geboten, was wir von einem italienischen Wochenende erwartet hatten – jederzeit gerne wieder! Ich hoffe, ich konnte Dich auf Deinen nächsten Trip nach Italien etwas vorbereiten.

Bis dahin, fröhliches Reisen

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