EIN TAG IN LOS ANGELES

Auf meinem Rückflug von Hawaii hatte ich zufällig einen elfstündigen Zwischenaufenthalt in der sogenannten Stadt der Engel. Da Los Angeles sowieso schon immer einen Platz auf meiner Bucket List hatte und da weder ich noch meine Begleitung geplant hatten, elf Stunden am Flughafen von Los Angeles abzusitzen, kam uns diese Zwischenlandung recht gelegen.

Die Stadt hatte bereits während des Landeanflugs beim Hinflug nach Hawaii ordentlich Eindruck gemacht. Ich bin mittlerweile doch schon ziemlich herum gekommen, aber eine Stadt, so riesig und ausgedehnt wie Los Angeles ist mir auch noch nicht untergekommen.

 

Millionen Häuser, eingebettet zwischen dem Meer und den Bergen, der berühmte Hollywood-Schriftzug ragt in der Mitte hervor und zusätzlich noch ein unglaublicher California-Sunset. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass ich mich darauf freute, in das alles einzutauchen.


Unterwegs in LA

Nachdem wir früh am morgen gelandet waren, musste die Entscheidung gefällt werden, wohin es denn nun gehen sollte. Hollywood? Walk of Fame? Rodeo Drive? Venice Beach? Santa Monica?

Da wir noch nicht bereit waren, uns endgültig von Strand und Meer zu verabschieden, fiel die Entscheidung letztendlich auf den berühmten Santa Monica Pier als unser Ziel und da unser Reisebudget doch schon ziemlich ausgeschöpft war nach zwei Wochen Hawaii, erklärten wir den Bus zum Fortbewegungsmittel unserer Wahl.

Zum Busbahnhof nahe LAX zu kommen ist einfach. Man nimmt einfach den LAX Bus Shuttle C zum Parkplatz. Er ist kostenlos, setzt einen direkt vorm Busbahnhof ab und bringt euch später auch wieder zurück zum Flughafen.

Es gibt verschiedene Bushaltestellen, mit den zugehörigen Routen, auf denen wichtigsten Stops eingezeichnet sind. Der sogenannten Big Blue Bus – Nummer 3 – bringt einen direkt nach Downtown Santa Monica, ihr müsst allerdings auch einiges an Geduld mit im Gepäck haben. Google möchte einen vielleicht davon überzeugen, dass die Fahrt nicht länger als eine halbe Stunde dauert, aber der Verkehr in Los Angeles ist unglaublich. Außerdem liegen zahlreiche Stops auf der Strecke.

 

Fast eine Stunde brauchten wir bis nach Santa Monica, aber wenigstens ist die Fahrt günstig. Eine Busfahrt kostet nur $1.25, das entspricht 1.20€. Im Bus gibt es einen Automaten, bei dem man entweder mit Kleingeld oder auch Scheinen bezahlen kann.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Downtown Santa Monica, oder auch 3rd Street Promenade genannt, ist eine Einkaufsmeile und wenn ihr auf Surf-Marken, wie z.B. Rip Curl, Oakley, Volcom oder Quicksilver steht, dann ist dies der Ort eures Vertrauens. Bekleidung von Surfmarken ist in den USA günstiger als in Deutschland und wenn ich mich nicht schon in Hawaii damit eingedeckt hätte, hätte ich hier vermutlich losgelegt mit dem Shoppen.

Da es allerdings nach wie vor noch früh morgens war, entschieden wir uns dafür erst einmal bei Starbucks reinzuschneien, nun ja, wegen Frühstück und WLAN und das war auch das erste Mal, dass wir etwas entdeckten, dass uns etwas stutzig machte. Neben uns und den gewöhnlichen Einwohnern von Santa Monica, die noch schnell ihren Kaffee und Muffin abholten, bevor sie zur Arbeit mussten, lungerten einige Obdachlose direkt vor Starbucks und auf der 3rd Street Promenade herum. Auch in Berlin gibt es einige Obdachlose und als ich in London gelebt habe, ist mir auch der ein oder andere über den Weg gelaufen, aber niemals so öffentlich, wie es hier der Fall war.

Lange hielten wir uns allerdings nicht mit unseren Gedanken bei den Obdachlosen auf und genossen erst einmal unser Frühstück und das kostenlose Internet. Danach entschieden wir uns, zum Santa Monica Pier runter zu schlendern.

 

Auf den ersten Blick bekommt man hier die berühmte Kalifornische Kulisse, die jeder auf der Welt kennt, geliefert. Palmen ragen in den tiefblauen und wolkenfreien Himmel, ein enorm breiter Strand, das Meer glitzert in der Sonne und der kultige Eingangsbogen, über den Ocean Drive zum Santa Monica Pier, erstreckt sich vor einem. Alles ist sauber, strahlt und glänzt, aber eben nur auf den ersten Blick.


Beim zweiten Mal hinsehen sind uns jedoch noch mehr Obdachlose aufgefallen, die sich im Park vor dem Pier versammelten. Einige schliefen sogar noch mitten auf der Wiese und schnarchten laut vor sich hin. Sie waren buchstäblich überall zu finden. Jede dritte Person, der ich an diesem Tag über den Weg gelaufen bin, war ein Obdachloser – ernsthaft und ungelogen.

 

Der Pier selbst ist nicht schlecht. Wieder diese saubere Fassade. Es gibt die Bubba Gump Shrimp Company mit einer Bank daneben, zu Ehren von Forrest Gump. Das berühmte Riesenrad, das auf jeden Foto von Santa Monica zu finden ist und ein Schild, welches das Ende der allseits bekannten Route 66 markiert.

Der Strand in Los Angeles ist der komischste, den ich jemals gesehen habe. Wie schon erwähnt ist er sehr breit und weitläufig. Scheinbar rächt irgendjemand den Sand über Nacht wieder zu einer ebenmäßigen Fläche, da so gut wie kein Fußabdruck zu finden war. Einige Rettungsschwimmer Häuschen sind den Strand entlang verteilt, sowie Unmengen von Möwen und noch mehr Obdachlosen, die am Strand schlafen. Ich muss zugeben, sogar die Deutsche Ostsee hat schönere Strände als diesen. Da ist nichts Hübsches, nichts Besonderes.

Nach einiger Zeit entschieden wir uns dazu, die 2,6 km entlang am Strand zum berühmten Venice Beach zu laufen.


Die Strecke selbst ist recht schön. Palmen, Oldtimer parken immer wieder vor dem Strand. Es ist schon malerisch, aber was diese typischen Fotos der California-Kulisse eben nicht zeigen, ist diese unglaubliche Ansammlung an Menschen, die auf der Straße leben. Das Verstörendste an der ganzen Sache ist, dass man sie noch riechen kann, bevor man sie überhaupt sieht. Das ist nicht böse gemeint, es ist einfach die Wahrheit und ich bin auch nicht weltfremd. Wie schon gesagt, auch Berlin hat seine dunklen Ecken, wie jede Stadt rund um die Welt herum, aber das, das war ein ganz neues Level.

 

Der gewaltige Kontrast zwischen luxuriösen Häusern mit Strandblick, Shops und Touristen und anderseits Menschen, die auf der Straße leben, all ihr Hab und Gut in einem Einkaufswagen horten, versuchen zu überleben und ihre Sorgen in Alkohol ertränken. Der glänzende und polierte schöne Schein, der nur Fassade ist, schreit die Touristen an, um sie davon abzuhalten, zu genau hinzusehen.


Jeder kennt den Boardwalk entlang am Venice Beach aus Fernsehen und Film. Die bunten bemalten Häuser, Straßenkünstler, eher fragwürdige Wahrsager, Muscle Beach, wo die Menschen eher aufschneiden und ihren Körper präsentieren, anstatt wirklich zu trainieren, der berühmte Skate-Park, in dem Profis neben denen trainieren, die darauf hoffen, dass ihr nächster Trick die richtigen Sponsoren auf sie aufmerksam macht. Es ist alles dort zu finden und es sieht auch so aus, wie man es aus dem Fernsehen kennt, aber was dort nicht gezeigt wird, sind die duzenden von Menschen, die aufgereiht vor Venice Beach unter zerrissenen Decken leben und um Geld betteln, um ihre Drogensucht zu finanzieren.

 

Hinter Muscle Beach verwandelt sich die touristische Kulisse wieder in teure Häuser entlang des Strandes, vermischt mit dem hang loose Surfer-Lifestyle. Es suggeriert ein sonniges und lässiges Leben in Los Angeles, für mich ist es allerdings nur ein Weg, um die harte Realität zu ignorieren, welche die tausenden, zerbrochenen Träume repräsentiert, die nun mit den Menschen, die alles verloren haben, zusammen auf der Straße liegen. Es ist ein Weg für die Einheimischen, die Augen vor der unangenehmen Wahrheit zu verschließen und ein Versuch, alles vor naiven Touristen zu verbergen.


Fazit

Ich war absolut enttäuscht und ebenso schockiert von Los Angeles. Die Stadt ist definitiv nicht, was sie suggeriert. Hang loose ist hier keine Lebenseinstellung, es ist Mauer hinter der man sich versteckt.

Trotzdem könnt ihr sehen, dass es eigentlich relativ einfach und ebenso kostengünstig ist, einen Tag in der Stadt herum zu kommen, aber am Ende ist Los Angeles einfach doch nur eine Traumfabrik.

 

Bis dahin, fröhliches Reisen.

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