WANDERN IN HAWAII

Ich bin zurück im eisig kalten Deutschland, gewöhne mich langsam wieder ein und habe festgestellt, dass es ja nur noch drei Wochen bis Weihnachten sind. Es ist etwas schwer sich daran zu erinnern, dass ja eigentlich Winter und Vorweihnachtszeit ist, während man in kurzen Hosen und im Top bei angenehmen Temperaturen von 29°C herumläuft. Es ist nicht so, dass die Hawaiianer ihre Häuser nicht dekorieren würde und das Weihnachten auf den Inseln, rund 4.000 km vor der Küste der Vereinigten Staaten, nicht gefeiert werden würde, aber es ist einfach nicht so präsent wie in Deutschland. Vor allem, wenn man außerhalb der Gegend rund um Waikiki und Honolulu unterkommt, wie es bei mir der Fall war.

 

Die Hawaiianischen Inseln sind Teil der Polynesischen Kultur, werden zu den Südseeinseln gezählt und darauf sind die Einwohner auch ziemlich stolz. Dieser Fakt und wahrscheinlich der Surfer-Lifestyle, die immer frischen Früchte und die unglaublichen Sonnenuntergänge lassen einen leicht vergessen, dass es ja eigentlich November und nicht Juli ist.

 

Alles in allem war Hawaii eine der besten Erfahrungen, die ich jemals während dem Reisen gemacht habe. Also lasst uns ein bisschen in mein kleines Abenteuer eintauchen.

 

Der heutige Blogeintrag wird sich um das Wandern auf O'ahu, der drittgrößten der acht Hawaiianischen Hauptinseln, drehen. In den letzten zwei Wochen, habe ich einige Wanderpfade bezwungen und die meisten waren es auch wirklich wert.

 

Wir starten an der Westspitze von O'ahu – Ka'ena Point – rund 30 km von meiner Unterkunft an der North Shore entfernt. Man kann Ka'ena Point von zwei Seiten erreichen. Entweder nimmt man die 93, oder die 930 (wie in meinem Fall), fährt bis zum Ende der Straße – mit Ende meine ich wirklich Ende, danach kommt nichts mehr - und wandert dann durch den Kaena Point State Park. Die Gegend ist zugleich verlassen sowie auch wunderschön. Auf der linken Seite findet man die beeindruckenden Berge, auf der rechten Seite erfährt man die rohe Gewalt des Meeres, dessen Wellen gegen die Küste schlagen. Die Szenerie des gesamten Parks hat mich doch sehr an Herr der Ringe erinnert. Die einzigen Geräusche, die ihr während dieser Wanderung hören werdet, sind die des Windes, der Wellen und das Grunzen der Hawaii-Mönchsrobben, welche an Land kriechen, um sich aufzuwärmen, zu schlafen, sich fortzupflanzen und Junge zu werfen. Die Hawaii-Mönchsrobben sind eine vom Aussterben gefährdete Spezies und Ka'ena Point ist einer der Orte, an denen sie in Frieden leben können. Einige Hinweisschilde entlang des Trails weisen darauf hin, dass man die Robben mit gesundem Abstand begutachten und sie in Ruhe lassen soll, trotzdem kann man sie sehr gut beobachten und diese Robben sind vermutlich das Süßeste, was ich seit langem gesehen habe.

 

Als ich in einer kleinen, sandigen Bucht eine Pause vom Wandern eingelegt hatte, war da plötzlich ein komisches Geräusch zu meiner Rechten. Ich stand auf, spähte um den Busch neben mir herum und was sah ich da? Eine der besagten Robben, die dort, nur wenige Meter von mir entfernt, glücklich schlafend lag. Natürlich machte ich mich gleich auf die Suche nach der Freundin, die mich nach Hawaii begleitetet hatte und gemeinsam beobachtete wir die Mönchsrobbe, natürlich mit gehörigem Abstand. Wir waren uns zuerst nicht sicher, ob sie wirklich okay ist, aber dann hob die Robbe kurz den Kopf, bemerkte unsere Gegenwart, grunzte kurz, nur um sich dann etwas weiter zu drehen und wieder einzuschlafen.

 

Einen Tag später hatten wir eine weitere Hawaii-Mönchsrobbe gesehen. An einem Strand, direkt neben der Straße. Zwei Mitglieder der Ocean Defenders waren vor Ort, hatten den Strand um die Robbe herum abgesperrt und sorgten dafür, dass niemand ihr zu nahe kam. Eine der beiden Ocean Defenders gesellte sich zu uns und erklärte uns, dass diese Robben Einzelgänger seien und ziemlich viel am Strand schlafen würden, vor allem während einer Schwangerschaft und so wussten wir, dass es der andere Robbe, die wir am Ka'ena Point gesehen hatten, auch gut gegangen war.

 

Zusammenfassend ist Ka'ena Point definitiv einen Versuch wert. Die ungezähmten Wellen, die gegen die Küste brausen, die Berge und die Einsamkeit, frei von den Massen, ist zugleich imposant sowie auch befreiend.

Hawaiianische Mönchsrobbe
Hawaiianische Mönchsrobbe

Nächster Halt ist der Waihe'e Falls Trail. Eigentlich handelt es sich dabei nicht um einen gekennzeichneten Wanderweg. Den Startpunkt findet man an der Ostseite O'ahus, in der Kāneʻohe Gegend und dieser führt in die Berge der Ko'olau Gebirgskette. Aber keine Sorge, wir sind in Vans gewandert und natürlich war es etwas rutschig, aber auch nicht zu schwierig, um den Weg zu bewältigen, allzu unsportlich solltet ihr trotzdem nicht sein. Im Gegensatz zu Ka'ena Point wandert ihr nicht einfach nur geradeaus, nein, ihr marschiert in die Berge bis auf 550m. Ein großer Hinweis darauf, dass ihr gleich am Ziel angekommen seit, ist im übrigen, wenn euch die Luft langsam ausgeht.

 

Das letzte Stück des Weges ist auch am steilsten. Zu eurer Rechten, kurz vor dem Ende und somit auch dem Wasserfall, findet ihr ein kleine Lichtung. Von dort aus habt ihr einen tollen Ausblick auf die Gebirgskette um euch herum und das Meer am Horizont. Der Wasserfall selbst ist auch ziemlich cool. Es war nicht zu voll, nur eine einheimische Familie war mit ihren beiden Hunden vor Ort, die uns auch ziemlich schnell den Wasserfalls überlassen haben. Die meisten Wanderer, die ihr auf dem Trail treffen werdet, sind Einheimische.

 

Den Eingang zum Wanderpfad zu finden, ist nicht ganz einfach. Ihr fahrt bis zum Ende der Waihee Road, die in einer bewohnten Gegend liegt. Danach folgt eine sehr kurze, unbefestigte Straße und dahinter seht ihr einen hohen Maschendrahtzaun, dort beginnt eure Wanderung. Aber seit euch darüber im klaren, dass das Betreten eigentlich verboten ist. Die Gegend ist eigentlich für die Öffentlichkeit geschlossen. Auf der linken Seite könnt ihr einfach um den Zaun herum laufen und dann geht es auch schon los. Folgt den matschigen Weg durch den Dschungel und in die Berge hinauf. Es ist auch einer der wenigen Orte in Hawaii, an dem ihr Mückenspray brauchen werdet. Zwischen den wunderschönen Bäumen und der atemberaubenden Natur ist die Luftfeuchtigkeit ziemlich hoch. Verlaufen könnt ihr euch eigentlich nicht. Wenn es zu viel regnet, dann solltet ihr euch diese Wanderung besser aufsparen, da die Gegend zu Sturzfluten neigt, aber ein bisschen Regen macht definitiv nichts aus. Wir sind bei unserem Abstieg in den Regen gekommen und mehr als ein fünf Minuten Schauer war es nicht.

 

Den Waihe'e Falls Trail würde ich euch also empfehlen. Es handelt sich dabei um einen wunderschönen Wasserfall, an dem man sich abkühlen kann und die Gegend ist eine Mischung aus üppigen Dschungel und fifty shades of green.


30 km weiter runter, Richtung Süden, findet ihr den Makapu'u Lighthouse Trail. Wir wollten diesen Trail unbedingt machen, da wir gelesen hatten, dass man einen wunderschönen Ausblick über die Küste hat, das man eine Chance darauf hat, Wale zu sehen und dass man sogar Moloka'i, die Insel die hinter O'ahu folgt, an einem klaren Tag sehen könnte.

Nun ja, die Betonung liegt auf „an einem klaren Tag“.

 

Als wir am Lighthouse Trail ankamen, schien nach wie vor noch die Sonne und wir hatten uns schon gefreut, an so einem schönen Tag zu wandern. Aber als wir dann zwischen den Unmengen Autos parkten, stellten wir fest, das der Wanderpfad gar kein Wanderpfad ist. Es ist eine geteerte Straße, die den Berg raufführt und einen auf eine Höhe von 152 m bringt. Da es Thanksgiving war, war der Lighthouse Trail völlig überlaufen mit Einheimischen und Touristen, aber da wir schon einmal vor Ort waren, gingen wir es dann auch trotzdem an. Die Straße führt in etwa nach der Hälfte um eine Kurve herum und da ist dann auch der erste Aussichtspunkt. Der Ort, an dem das Unheil seinen Lauf nahm.

 

Der Wind nahm zu und naja, die Aussicht war zwar ganz schön, aber dann sahen wir den Regen vom Meer zu uns ziehen. Eine Wasserwand, die immer näher und näher kam und uns schließlich mit voller Wucht traf. Aber an Aufgeben war jetzt nicht mehr zu denken, schließlich hatten wir ja schon die Hälfte hinter uns gebracht. Also ging es weiter nach oben, vom Wind durchgeschüttelt, vom immer wieder aufkommenden Regen durchnässt, begleitet von einer Gruppe Menschen, aus deren Rucksäcken, ausgestattet mit tragbaren Musikboxen, laute Musik dröhnte.

 

Der Leuchtturm, nachdem auch der Weg benannt ist, wurde gerade restauriert und war von einem Gerüst eingezäunt und als wir endlich oben angekommen waren, mussten wir uns erst einmal erneut an Menschen vorbei drücken, um letztendlich den von Wolken getrübten Ausblick auf die Küste entdecken zu können.

 

Der Ausblick war soweit ganz in Ordnung, aber der Makapu'u Lighthouse Trail ist etwas, das ich nicht nochmal machen muss.


Es gibt bedeutend schönere Ausblicke, wie z.B. vom Diamond Head Crater in Waikiki.

 

Bei Diamond Head handelt es sich um einen erloschenen Vulkan und obwohl das Ganze ein Touristen-Magnet ist, ist es trotzdem ein schöner Ausflug.

 

Man beginnt in der Mitte des Vulkans und steigt dann hoch auf 176 Meter. Die Natur innerhalb des Vulkans hat mich an eine Afrikanische Steppe erinnert. Kurz vor dem Ende des Weges, durchquert man den Vulkan selbst, durch einen engen und dunklen Gang, gefolgt von ein paar Treppenstufen und dann ist man oben angekommen. Auf einem ehemaligen Militäraussichtspunkt.

 

Einige Leute sind bei dem Aufstieg ziemlich ins Schwitzen und außer Atem gekommen, aber als allzu schwierig empfand ich selbst den Weg nicht und man wird mit einem packenden Ausblick auf Waikiki, die Küste und die Berge belohnt.

 

Entweder man parkt außerhalb des Kraters und bezahlt 1 USD / 0,94 EUR für den Park, oder man parkt im Inneren des Kraters und zahlt 5 USD/ 4,70 EUR.

Waikiki
Waikiki
Der Krater
Der Krater

Letzte Wanderung auf meiner Liste ist ein kleiner Insidertipp. Von meiner Unterkunft an der North Shore, bis zum örtlichen Supermarkt namens Foodland (direkt vor Shark's Cove) waren es nur acht Minuten mit dem Auto. Hinter Foodland führt eine Straße auf einen kleinen Berg rauf. Folgt der Straße bis zum Ende, dort befindet sich ein Pfadfindercamp. Daneben geht die Wanderung los. Es gibt verschiedene Trails, passt also auf, dass ihr euch nicht verlauft. Die Natur ist hier oben so ganz anders, als nur ein Stück weiter unten und in Richtung Meer. Fast schon Europäisch. Außerdem ist es dort oben ziemlich ruhig.

 

Wenn ihr nach oben in Richtung Pfadfindercamp fahrt, führt euch die erste Abfahrt zu eurer Rechten zu einer alten und heiligen Hawaiianischen Stätte. Von dort aus habt ihr einen tollen Ausblick auf Waimea Bay. Wandert in die Büsche und ihr kommt zu einem kleinen Unterstand. Bringt euch ein Picknick mit und klettert auf den Unterstand. Dann habt ihr einen tollen Ausblick auf die berühmte North Shore.

Waimea Bay
Waimea Bay
Three Tables Beach
Three Tables Beach
Verlassene und unbefahrene Straße
Verlassene und unbefahrene Straße

Und das war es dann auch schon. Leider haben wir es nicht mehr geschafft, den Manoa Falls Trail zu bestreiten, der ebenfalls sehr schön sein soll, aber vielleicht könnt ihr ja, wenn ihr eines Tages mal auf O'ahu seid, einfach den Lighthouse Trail auslassen und stattdessen zu den Manoa Falls laufen. Ich werde es jedenfalls beim nächsten Mal so machen. Im nächsten Eintrag dreht sich alles um die besten Restaurants und Foodtrucks auf Maui und O'ahu.

Bis dahin, fröhliches Reisen.

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