FLUGHAFEN-WAHNSINN ODER AUCH "MENSCHEN, DENEN IHR AUF FLUGREISEN NICHT BEGEGNEN MÖCHTET"

Da es ja nur noch zwei Wochen dauert, bis ich wieder meinen Koffer packen muss und zum nächsten Abenteuer antrete, kommen mir wieder die verschiedenen Sorten von Mitreisenden in den Kopf, denen man definitiv irgendwann begegnen wird und bei denen man sich wirklich zurückhalten muss, um nicht laut loszufluchen.


Flughäfen neigen im Allgemeinen ja immer dazu, ein ziemlich hektischer Ort zu sein. Die Leute sind aufgeregt oder in Eile, es ist voll und je größer der Flughafen ist, desto verwirrender kann es sein, je nachdem, wie oft man bereits vor Ort war. Aber es gibt da immer ein paar Gruppen, die dich aufhalten werden oder zu Tode nerven.

Hallo? Falls euch die dutzend anderen Menschen noch nicht aufgefallen sind, ihr seid nicht allein in diesem Flughafen und nein, ihr seid auch nicht die Einzigen, die einen Flug erwischen möchten.


Der Spaß beginnt normalerweise am Check-in Schalter. Ich bevorzuge die Check-in Computer, um meine Boarding Karte auszudrucken und mein Gepäck einzuchecken. Es ist meistens schnell und einfach. Man muss einfach nur seinen Reisepass scannen, die Adresse eintippen, das Ziel, die Reservierungsnummer, sich entscheiden, wieviele Gepäckstücke man einchecken möchte und et voilà, schon ist man fertig. Danach muss man sich nur noch am Schalter für die Gepäckabgabe anstellen, da ist meistens eh weniger los ist und das war's dann.

Das ist meistens der Moment, in dem man schon zum ersten Mal auf die Menschen treffen wird, die der Gruppe 'Individuen, die nicht richtig lesen können' angehörig sind.

Normalerweise gibt es verschiedene Check-in Schalter. Es gibt den besagten zur Gepäckabgabe und die anderen, bei denen man zusammen mit einem Flughafenmitarbeiter gemeinsam den Check-in macht, ohne an einen Computer zu müssen. Für die Baggage Drop-Off Warteschlange benötigt man eine Boarding-Karte, was auch immer unübersehbar ausgeschrieben ist, bevor man sich anstellt und trotzdem gibt es da immer diese eine Familie, die sich an diesem Schalter anstellt und dann völlig überrumpelt ist davon, dass sie am falschen Ort gelandet sind und sich noch dazu erneut ganz hinten in einer anderen Warteschlange einreihen müssten.

Meistens endet das Ganze in einer Diskussion, warum der arme Flughafenmitarbeiter nicht einfach ihre Boarding-Karte ausdrucken kann und um weiteren Tumult zu vermeiden, machen diese das dann auch meistens. Was die anderen – in der korrekten Schlange anstehenden – Reisenden dazu verdonnert, länger warten zu müssen, als sie es eigentlich hätten.

Also, wenn ihr zu der Gruppe 'Individuen, die nicht richtig lesen können' gehört, dann öffnet die Augen, denn ihr werden uns allen und euch selbst Zeit und unnötigen Stress ersparen.


Nachdem man sein Gepäck dann endlich losgeworden ist, geht es weiter, vorbei an der allseits bekannten Sicherheitskontrolle, in den Sicherheitsbereich. Dort trifft man auf die zweite Gruppe, besser bekannt als 'Ich fliege zum ersten Mal, ich habe noch nie von Sicherheitsbestimmungen gehört'.

Okay, ich verstehe es ja. Einige Menschen nutzen wirklich zum ersten Mal ein Flugzeug und es ist aufregend, aber ich wette, jeder einzelne von euch hat irgendwann in seinem Leben schon einmal von den Sicherheitsbestimmungen und Checks am Flughafen gehört. Trotzdem scheint es nach wie vor eine Überraschung zu sein, dass man seine 2L Flasche Wasser nicht in den Sicherheitsbereich mitnehmen darf. Einmal habe ich am Flughafen Heathrow in London sogar einen Typen gesehen, der seine Golfschläger an den Sicherheitsbeamten vorbeischmuggeln wollte und unglaublich wütend wurde, als ihm diese schließlich abgenommen wurden.

Golfschläger.

Teure Golfschläger.

Ja, ich kann wirklich nicht verstehen, warum er die nicht behalten durfte.

Also die Sache ist die, es gibt da diese Sicherheitsbestimmungen und einige von ihnen sind wirklich albern, zum Beispiel die Regelung für die Flüssigkeiten. Man darf insgesamt einen Liter mitnehmen, allerdings aufgeteilt in zehn 100ml Fläschchen. Kommt schon, als könnte man danach nicht alles miteinander vermischen, aber hey, das sind nunmal die Regeln. Entweder befolgt man sie, oder man verzichtet komplett darauf, Flüssigkeiten mitzunehmen, aber fangt bitte nicht damit an, irgendwelche Sachen an den Beamten vorbeischmuggeln zu wollen. Alle anderen müssen dann nur länger warten, weil diese 2L Wasserflasche euch wirklich ALLES bedeutet.

Leute, die der Gruppe 'Ich fliege zum ersten Mal, ich habe noch nie von Sicherheitsbestimmungen gehört' angehören neigen meist auch dazu, völlig überrascht von der Tatsache zu sein, dass sie ihre Schuhe, Jacke, Schal und Gürtel ablegen müssen, sowie den Laptop herauszuholen und ihre Boardkarte ein weiteres Mal vorzeigen zu müssen.

Und so wird die Schlange immer länger und länger weil die gute, alte Tante Maria damit beschäftigt ist, sich aus ihren Schnürstiefeln zu quälen, ihren Gürtel aus der Hose zu zupfen, den Winterparka, die dicke Strickjacke und ihren übergroßen Schal ausziehen. Versteht mich nicht falsch, zieht zum Fliegen an, was ihr wollt oder in was auch immer ihr euch wohl fühlt, aber wenn ihr eingemummt seid, noch dazu Flüssigkeiten mit dabei habt und einen Laptop, dann nehmt das alles heraus, bevor ihr dran seid, eure Sachen zum Durchleuchten abzugeben.

Hey, ich bin quasi schon nackt, wenn ich an der Reihe bin und schlüpfe nur noch schnell aus meinen Schuhen, damit ich gleich durch den Scanner gehen kann und wenn ich fertig bin, nehme ich meine Sachen und gehe zur Seite, damit sich meine Mitreisenden und ich selbst nicht übereinander stapeln.

Was lernen wir daraus, 'Ich fliege zum ersten Mal, ich habe noch nie von Sicherheitsbestimmungen gehört' ? Es ist keine Schande, vorbereitet zu sein. Ein kleiner Hintergrundcheck vorab macht es einfacher für uns alle und auch für euch.


Nachdem man die ganze Tortur überlebt hat, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Boarding beginnt und das ist dann der Zeitpunkt gekommen, an dem man auf die wohl schlimmste Gruppe Mitreisender trifft, nämlich die Gruppe 'Aus dem Weg, ich bin Geschäftsmann/-frau'.

Vielflieger. Man müsste meinen, sie wüssten mittlerweile, wie es funktioniert.

Sie müssen immer die Ersten sein, die den Flieger betreten und auch wieder raus kommen. Es gibt verschiedene Gruppen, die nacheinander geboardet werden, damit wir alle schnell an Board kommen und zu unserem nächsten Ziel aufbrechen können. Menschen, die einen Platz im hinteren Teil des Fliegers haben, werden zuerst geboardet, Sitze in der Mitte folgen danach und so weiter und so fort. Das Konzept, das dahinter steckt, soll dafür sorgen, dass niemand den engen Mittelgang blockiert, während das Boarding noch läuft und trotzdem. Es gibt da immer Menschen, die noch vor allen anderen an Bord sein müssen.

Wenn ihr also das Flugzeug betretet, werdet ihr auf jeden Fall in jemanden laufen – meistens besagte Geschäftsmänner oder -frauen – der den Weg blockiert und damit beschäftigt ist, sein oder ihr Handgepäck in das Gepäckfach zu stopfen. Danke, der Herr oder die Dame, mit Ihnen als erstes an Board werden wir definitiv schneller loskommen.

Die 'Aus dem Weg, ich bin Geschäftsmann/-frau' – Gruppe ist ebenfalls gut erkennbar durch das wiederholte Auffordern einer Stewardess oder eines Steward jetzt endlich ihr Smartphone zum Start abzuschalten und als diejenigen, die nach der Landung sofort aufspringen. Mein böses Ich hofft immer auf einen kleinen Hüpfer des Fliegers, damit sie sich ihre wichtigen Köpfe stoßen.

Wenn man dann mal in der Luft ist, trifft man unweigerlich auf unsere letzte Gruppe. Die 'Es gibt niemand anderen, außer mir, in diesem Flugzeug'.

Man findet diese Gruppe wieder in den Knie und Füßen, die einem in den Rücken treten. In den Ellenbogen, die immer auf der eigenen Seite des Sitzes sind. In den Eltern, die ihre schreienden Kinder nicht beruhigen wollen und in denjenigen, welche die Toiletten so sehr verdrecken, als würde niemand anderes sie noch benutzen wollen.

Ja, wir werden diese Gruppen vermutlich nie ganz loswerden, aber ich habe immer noch den Funken Hoffnung, dass eines Tages, vielleicht in der fernen Zukunft, jeder realisieren wird, dass wir diejenigen sind, die dafür verantwortlich sind, das Reisen komfortabler, schneller und einfacher für uns alle zu gestalten. Und wenn ihr euch jetzt in einer dieser Gruppen wiedergefunden habt, es ist immer Zeit, um sich selbst zu verbessern.

So weit, so gut, genug von den Beschwerden. Ich freue mich trotzdem noch auf die 19 Stunden und 35 Minuten reine Flugzeit, die mir in zwei Wochen bevorstehen und ich hoffe, dass ihr ebenfalls immer noch eure Reisen genießen könnt, obwohl diese Gruppen existieren.

Bis dahin, fröhliches Reisen.

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