KURZURLAUB AUF REZEPT

So unangenehm es auch ist, es ist wieder einmal Montag. Wecker haben geklingelt, Menschen sind aus ihren Betten gekrochen und zurück hinter ihren Schreibtisch, oder was auch immer ihr Arbeitsplatz sein mag – mich miteingeschlossen – und trotzdem war es ein tolles Wochenende.

Letzten Mittwoch entstand die sehr spontane Idee die Rucksäcke zu packen, die Hunde ins Auto zu verfrachten und zusammen mit meiner besten Freundin Jenn das Wochenende am Strand zu verbringen.


Die Wettervorhersage versprach blauen Himmel, jede Menge Sonne, warme Spätsommertemperaturen und der Herbst hat definitiv abgeliefert.

Unser kleiner Kurztrip startete Freitag Mittag und gegen drei Uhr Nachmittags kamen wir auf der Halbinsel Mönchgut der Insel Rügen an. Wir bezogen unser kleines Ferienapartment, nahe des Südstrandes und diesen besuchten wir auch direkt danach. Die Sonne wurde genossen und wir dienten Peanut als Alleinunterhalter. Eine Prozedur, die sich über das gesamte Wochenende hinzog, nur unterbrochen von der üblichen Wanderung durch das Naturschutzgebiet am späten Samstag Nachmittag.

Ich habe mir einen kleinen Sonnenbrand geholt, bin von Mücken gestochen worden, hatte die Möglichkeit wiedereinmal den klaren Sternenhimmel zu bewundern und zu fotografieren, spürte den Sand zwischen meinen Zehen, hatte mir vorgenommen in der Ostsee zu schwimmen, mich aber dagegen entschieden so verweichlicht, wie ich bin, genoß den Ausblick und die befreiende Ruhe, entkam der Großstadthektik und am allerwichtigsten, ich hatte die Möglichkeit mich zu entspannen.

Aber um ehrlich zu sein, hat es schon ein wenig gebraucht, bis ich wirklich angekommen bin und abschalten konnte und das war der Punkt an dem die nicht ganz so ernst gemeinte Idee in meinem Kopf entstand, dass Kurzurlaube doch aufgrund von ärztlicher Verschreibung erhältlich sein sollten.

Währen der letzten siebzehn Monate habe ich fünf Bücher veröffentlicht, dutzende Artikel für meinen Reiseblog verfasst, habe mich offiziell selbstständig gemacht and habe einige Kämpfe bestritten, bei denen ich gelernt habe, was es wirklich bedeutet selbständig zu sein und ich sage euch, es ist nicht so romantisch, wie es klingt.

Ja, natürlich kann ich von wo auch immer ich gerade bin aus arbeiten und auch wann immer ich Lust dazu habe. Ich habe die Möglichkeit nach Costa Rica zu fliegen, meine Tante zu besuchen und an meinem Buch zu arbeiten, während ich in der Hängematte liege. Ich kann meinen Koffer packen, wann auch immer die Reisekasse es zulässt, weil ich meinen Arbeitsplatz immer mitnehmen kann. Alles was ich brauche ist mein Laptop, meine Kamera und eine Internetverbindung. Aber das ist auch die Sache.

Es wird schwerer sich zu entspannen und mal nicht über den Job nachzudenken, wenn man selbstständig ist und nur noch DU selbst dafür verantwortlich bist, dass am Ende des Monats genügen Geld für die Miete auf dem Konto ist. Es gibt immer etwas, an das man denken muss, etwas, über das man schreiben könnte, das man sich notieren oder nachprüfen könnte, etwas, das man posten könnte und manchmal vergisst man recht schnell, dass Wochenende meistens doch dafür gedacht sind, um zu entspannen und das Urlaub auch einfach mal Urlaub sein sollte, um Kreativität zurückzuerhalten und um vor zu schnellem ausgelaugt sein vorzubeugen.

Schreiben als Beruf ist so viel mehr, als einfach nur in einem netten Café zu sitzen und mit Leichtigkeit ein paar Seiten abzutippen. Es dreht sich darum, etwas zu erschaffen, dass den Leuten gefallen könnte und das sie auch wirklich lesen möchten. Etwas, das spannend ist, irgendwie neu, aber auch noch interessierend und faszinierend genug, dass es eine Veröffentlichung wert ist. Man muss sich selbst immer und immer wieder neu erfinden und lasst uns mal nicht den langweiligen und trotzdem nötigen Papierkram vergessen, die Rückschläge, die man einstecken muss, die falschen Angebote von sogenannten Profis, die man von den ernstgemeinten unterscheiden muss, Social Media, Pressearbeit, das Formatieren, das Editieren und so weiter und so fort.

Ihr seht also, es steckt einiges dahinter, wenn man auf professioneller Basis Autor/in sein möchte und von der Öffentlichkeit auch ernst genommen werden möchte und nicht nur als jemand, der einfach nur den nächsten schlecht geschriebenen und billigen Abklatsch einer Story über einen Vampir, der nicht mehr glitzern möchte und ein Zauberer wird, weil er seinen seltenen sexuellen Fetisch auslebt veröffentlichen möchte – nicht, dass ich das schon gesehen hätte, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es so etwas da draußen gibt – und den es nicht interessiert, was die Leser denken.

Ich liebe meinen Job, ich liebe das Schreiben und ich liebe es, das mit euch zu teilen, aber manchmal sind diese kleinen Kurzurlaube einfach wirklich nötig zwischen allem anderen, das täglich so passiert. Es ist nötig, abzuschalten, die Batterien aufzuladen und sich daran zu erinnern, dass ein Job machmal einfach nur ein Job ist und nicht etwas, das jede einzelne Minute deines Lebens ausfüllen muss. Also packt eure Tasche, springt hinters Lenkrad oder ins nächste Flugzeug und beginnt euch zu erholen, während ich eine Petition vorbereite, dass es Kurztrips in Zukunft auf ärztliche Verordnung geben sollte und wenn ihr bis zum nächsten Wochenende warten müsst, dann helfe ich euch mit ein paar Fotos von meinem Strand-Wochenende aus.

Bis dahin, fröhliches Reisen.

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