EIN WOCHENENDE IM PRENZLAUER BERG

Oder auch: wie futtere ich mich am besten durch den Kiez? Berlin ist nicht meine liebste Stadt auf Erden. Ja, an manchen Tagen hasse ich die Stadt regelrecht und würde am liebsten sofort meine Sachen packen und verschwinden. Nun ja, jeder weiß im Grunde genommen, dass es schlecht funktioniert, einfach abzuhauen und so muss ich mich noch eine Zeit lang damit abfinden, dass der Berliner an und für sich gerne mal schlechte Laune hat und einen anpöbelt, wegen nichts und wieder nichts. Und ich muss mich auch noch eine Zeit lang mit dem Lärm herum schlagen und damit, dass überall und wirklich überall Menschen sind und man so gut wie nie seine Ruhe hat.

Im Mauerpark bei Sonnenuntergang
Im Mauerpark bei Sonnenuntergang

Ja, Berlin ist kein einfaches Pflaster und auch nicht immer das schönste. Die meisten Menschen, die hier übers Wochenende oder für eine Woche Urlaub herkommen, sehen meistens nur das, was Berlin so anders macht. Arm aber sexy heißt es doch nach wie vor. Und das ist natürlich cooler als das Dorf, in dem man aufgewachsen ist oder auch die Münchner Schickeria – tut mir wirklich leid München, aber in diesem Beitrag kommt hier keiner wirklich gut weg, zumindest nicht am Anfang. Der typische Spruch, den man hier oft zu hören bekommt ist: Entweder man liebt Berlin, oder man hasst es. Entweder mein feiert durchgehend mit, oder man geht nicht kaputt.

Ich habe mich dazu entschieden, Berlin meistens zu hassen. Was vermutlich gar nicht so sehr mit der Stadt selbst zu tun hat, sondern einfach mit dem Fakt, dass es einfach nicht das ist, was ich gerne hätte. Ich hätte gerne Strand, ich hätte gerne Sonne und ich hätte gerne Meer. Und das hat nunmal eine Metropole nicht zu bieten. Aber jetzt bin ich nunmal momentan hier und hab noch nicht den Ort gefunden, an dem es irgendwann weiter geht und darum versuche ich einfach das Beste daraus zu machen und es gibt doch tatsächlich Tage an denen ich sage: hey, heute finde ich Berlin gar nicht so scheiße.


Und was trägt dazu bei? Natürlich der Stadtteil, in dem ich lebe.

Der Prenzlauer Berg.

Ich wohne eigentlich nur noch knapp an der Grenze. Fast schon in Weißensee, aber wir gehören noch dazu. Wie jeder Bezirk, hat natürlich auch Prenzlauer Berg mit seinen Vorurteilen zu kämpfen. Vom Künstlerviertel zum Familienbezirk, von günstigen Mieten und besetzten Häusern zu sanierten und schicken Wohnungen – selbiges passiert im übrigen gerade in Kreuzberg. Gentrifizierung sei dank.

Und vor allem die sogenannten Prenzlauer Berg-Muttis. Der alternative Kurzhaarschnitt, die Allwetterjacke von Jack Wolfskin im Kinderwagen und der kleine Malte darf natürlich nur glutenfrei Gummibärchen ohne Gelatine und ja nicht mit Laktose essen, denn gegen die ist er ja intolerant. Erziehungsstil: mein Kind kann selbst entscheiden, was es will und was nicht. Wir lassen ihm seinen Freiraum. Ich leide übrigens auch an einer Unverträglichkeit – an einer Bockmist-Unverträglichkeit. Entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise. Aber ja, das sind sie. Die Prenzlauer Berg-Muttis und ja, es gibt es sie auch wirklich.

Aber nicht nur.

Es gibt dann doch noch ein paar Ecken, an denen man sich wohlfühlen kann. In der Dunckerstraße 69 zum Beispiel. Im Beakers. Willkommen im Wohnzimmer von Oma und Opa. Es ist klein, es ist kuschlig. Als Beleuchtung dienen umgebaute Hi-Hats, Musik wird gespielt und es gibt das beste Frühstück in ganz Berlin. Ungelogen. Ich habe noch kein besseres gegessen, als im Beakers. Bestellen läuft hier ein bisschen anders. Es gibt kleine Karten, auf die man seinen Namen schreibt und dann ankreuzen kann, was man gerne zum Frühstück hätte. Frische und vor allem selbstgemachte Pancakes, Rühreier oder Spiegeleier. Serrano-Schinken, Brie, Körnerbrötchen, Früchte - was immer man auch möchte. Aber seit gewarnt, die Portionen sind wirklich groß. Also lasst es lieber langsam angehen. Aber hungrig geht hier definitiv keiner raus. Bis 16 Uhr könnt ihr hier schlemmen, es kann aber auch schonmal voll werden.


Wenn ihr nicht so der Frühstückstyp seid, dann habe natürlich etwas anderes noch für euch in petto und zwar das Pane e Vino direkt am U-Bahnhof Eberswalde Straße, in der Kastanienallee. Egal ob ihr Nudeln oder Pizza wollt, alles kostet nur 3,90 Euro. Und ja, wir sprechen hier von normalen Portionen und nicht von einem Stück labbriger Pizza auf Pappe, wie vom Imbiss am Bahnhof. Ob draußen oder drinnen, hier ist immer was los. Und es schmeckt wirklich gut. Wie das für 3,90 Euro funktioniert? Ich weiß es nicht und will es vielleicht auch gar nicht wissen. Alles was zählt ist, dass man hier wirklich viel für sein Geld bekommt und den Laden weder satt noch unzufrieden verlässt.

Und was macht man am Besten, wenn man vollgefressen und zufrieden ist? Genau, den Abend entspannt ausklingen lassen. Und wo könnte man das im Sommer besser machen, als im Mauerpark.

Oben auf dem Hügel, bei den Schaukeln sitzen und den Sonnenuntergang über der Stadt genießen. Dazu noch einen guten Cider oder was auch immer ihr trinken wollt und die Welt sieht zumindest für eine Weile anders aus. Wenn das Wochenende dann vorbei ist und der Montag wieder anklopft, dann wartet noch genügend Stress und vermutlich auch Ärger auf einen.  



Aber für diesen Moment, wenn die Sonne verschwindet und den Himmel färbt, da ist die Welt in Ordnung und auch Berlin gar nicht so scheiße, wie es sich sonst so gibt.

Bis dahin, fröhliches Reisen.

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