FLIEG MICH ZUM MOND - EIN KLEINER AIRLINE GUIDE

Wenn ihr zu den Vielreisenden gehört, dann seid ihr vermutlich schon mit allen möglichen Airlines um die Welt geflogen. Aber was, wenn ihr nicht wisst, welches die beste Airline ist, die ihr wählen könnt? Ja, euer perfekter Urlaub könnte etwas weniger perfekt starten, wenn ihr die falsche Fluggesellschaft aussucht. Ich wähle meine Flüge nicht nur aufgrund des günstigen Preises aus. Nein, die Flugdauer und die Airline selbst sind genau so wichtig. Ich hatte schon alle mögliche Erfahrungen und ein zehn Stunden Flug kann sich doppelt so lange anfühlen, wenn ihr in einem völlig veraltetem Flugzeug landet.

Die besten Erfahrungen habe ich mit amerikanischen Unternehmen gemacht. Delta, American Airlines oder United zum Beispiel. Mehr Beinfreiheit, freundliche Crew, gutes Unterhaltungssystem and ein ziemlich guter Service. Kurz vor meinem ersten Flug mit einer amerikanischen Airline wurde ich davor gewarnt, dass die Crew meistens sehr unhöflich sei und dass die Flieger selbst ziemlich schlecht erhalten wären, aber diese Erfahrung habe ich niemals gemacht. Jeder einzelner meiner Flüge mit einer Airline aus den USA ist gut verlaufen.

Meine zwei schlimmsten Erfahrung, auf der anderen Seite, habe ich mit einer der größten, spanischen Airlines gemacht und einer ebenfalls ziemlich bekannten deutschen Airline. Aber fangen wir mit der Spanischen an.

Der Preis für den Flug war ziemlich günstig und die Flugdauer war ebenfalls sehr gut.

Die Florida Keys
Die Florida Keys

Unsere Reise startete pünktlich in München und endete ebenso pünktlich an unserem Zielort. Es gab also weder am Zeitplan, noch am Transport des Gepäcks – alles kam in einem Stück an – etwas zu meckern, aber das Flugzeug selbst war das schrecklichste, welches ich jemals gesehen hatte.

Es musste einfach aus den Achtzigern stammen. Die Wände und Beleuchtung waren so vergilbt, als wäre es schon im Betrieb gewesen, als man noch im Flugzeug rauchen durfte. Die Beleuchtung selbst ähnelte einer Lichtröhre, die aus den siebziger Jahren stammte. Ich bin klein, nur 1.62 m groß und sogar ich bin mit meinen Knien an der Rücklehne des Vordersitzes angegangen, wenn ich einfach nur aufrecht in dagesessen bin. Meine beste Freundin ist 1.76 m groß, mit längeren Beinen als ich und ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie sehr sie sich zusammenfalten musste, um irgendwie unbequem Platz zu finden. Die Sitze selber waren abgenutzt, ich saß auf etwas, dass sich nach einem Metallrahmen anfühlte und der Stoff selbst hatte seine besten Tage auch bereits gesehen. Er war vielleicht mal grau, jetzt war der Überzug jedoch mit gelben Flecken übersät – einfach ekelhaft!

Der Klapptisch zugehörig zum Sitz meiner Freundin war kaputt, meiner war ebenfalls ziemlich locker. Eines der Lichter über unseren Köpfe funktionierte überhaupt nicht. Der Flieger selbst roch irgendwie süßlich, als ob etwas in den Toiletten verschimmelt wäre. Nach unserem take-off mussten wir geschlagene drei Stunden darauf warten, bis wir endlich etwas zu trinken bekamen. Nach weiteren zwei Stunden gab es dann mal etwas zu essen. Zumindest sollte es das wohl sein, es war auf jeden Fall ungenießbar. Als ich mich dann auf den Weg nach hinten zur Crew gemacht hatte, um noch zwei Getränke zu holen, wurde ich von genervten Blicken und Augenrollen empfangen, da ich offensichtlich ihre nettes Geplauder unterbrochen hatte. Ich entschuldige mich hierfür, es war äußerst unhöflich die nette Unterhaltung zu unterbrechen, nur weil ich uns vor dem verdursten retten wollte. Aber das Schlimmste kommt noch.

Es gab kein Entertainment-System und wir waren auf einem zehneinhalb Stunden Flug. Ich beneide jeden Menschen, der in der Lage ist in ein Flugzeug zu steigen, sich hinzusetzen, einzuschlafen und erst wieder aufzuwachen, wenn er vor Ort angekommen ist. Ich schaffe es einfach nicht. Ich bin vielleicht dazu in der Lage gut fünf Stunden zu schlafen, aber dann bin ich einfach wach. Normalerweise unterhalte ich mich dann mit einem guten Film oder was sonst so angeboten wird, aber wenn es nichts gibt – nicht einmal ein Airline-Magazin – dann können zehneinhalb Stunden wirklich sehr, sehr, sehr lang werden. Aber hey, wenigstens sind wir pünktlich und mit unserem Gepäck angekommen!

Landeanflug auf Berlin
Landeanflug auf Berlin
Über den Wolken...
Über den Wolken...

Meine zweite, ziemlich schlechteste Erfahrung mit einer Airline, war komplett anders herum. Es war ein Flug, der von zwei verschiedenen Fluggesellschaften durchgeführt wurde. Los ging es in Berlin mit der bekannten, deutschen Fluglinie und in Mailand wurde dann zu American Airlines gewechselt. Wir flogen pünktlich ab, alles war super, ebenso das Flugzeug selbst, aber als wir schließlich in Miami umstiegen, wollte ich mein Gepäck wieder neu einchecken – wie man es an den meisten amerikanischen Flughäfen machen muss – und es kam einfach nicht an. Einer der Mitarbeiter des Flughafens teilte mir mit, dass mein Koffer vermutlich doch durchgechecked wurde und hier nicht auftauchen würde, also flog ich weiter nach San José. Dort tauchte der Koffer jedoch auch nicht auf. Als erstes vermutete ich, dass in Mailand etwas schief gelaufen war, da wir dort die Fluglinie wechselten, aber dann wurde mir mitgeteilt, dass mein Koffer nicht einmal in Mailand angekommen war. Und so war er weg – für geschlagene zehn Tage!

Verschollen.

Zehn Tage ohne alles.

Glücklicherweise konnten mir in Costa Rica ein paar Freunde mit etwas zum Anziehen aushelfen, aber es war fast so, als hätte mein Koffer gar nicht erst existiert.

American Airlines war ziemlich freundlich und versuchte mir so gut wie möglich zu helfen. Aber dann mussten sie mir leider mitteilen, dass sie versucht hatten mit besagter deutscher Airline in Kontakt zu treten und dass diese einfach nicht mit ihnen sprechen wollten. Sie hatten American Airlines rotzfrech erklärt, dass es einfach nicht ihr Problem sei und sie nicht mit ihnen kooperieren wollten. Aufgrund der Zeitverschiebung und der unglaublich unsinnigen Zeiten, in der man die Service Hotline der Airline anrufen konnte, musste meine Mutter von Deutschland aus vor Ort anrufen, da ich niemanden hätte erreichen können. Ihr wurde mitgeteilt, dass ich niemals den Flug aus Berlin raus angetreten hätte.

Interessant.

Ich hatte also niemals die Stadt verlassen und sogar, als sie ihnen das Ticket mit dem angehefteten Bag-Tag präsentierte, welches ich ihr per Whatsapp geschickt hatte, war die Airline immer noch der festen Überzeugung, dass ich niemals am Boarding teilgenommen hätte.

Sogar noch interessanter. Scheinbar existiere ich genauso wenig, wie mein Gepäck.

American Airlines schickte letztendlich ein Sonderteam los, dass jeden Flughafen durchsuchte, den ich während meiner Reise passiert hatte. Und ratet mal, mein Koffer befand sich nach wie vor in Berlin am Flughafen Tegel. Er hatte Deutschland niemals verlassen und es kam heraus, dass die gute deutsche Fluggesellschaft es einfach nicht geschafft hatte, den Koffer vom Terminal zum Flieger zu bringen. Sie wollten einfach nicht die Schuld dafür auf sich nehmen. Ich habe nicht einmal ein einfaches 'Entschuldigung' bekommen, geschweige denn das Geld für die Sachen, die ich mir aufgrund mangelnden Gepäckes in Costa Rica kaufen musste. Nach sechs Wochen hatte ich es schließlich aufgeben, zu versuchen, mit irgendjemanden in Kontakt treten zu können. Ich weiß, ich hätte vermutlich weiter kämpfen sollen, aber ich hatte irgendwann einfach keine Lust mehr mich immer wieder auf's Neue zu ärgern. Jetzt meide ich besagte Fluggesellschaft so gut es geht und wenn ich sie doch einmal für einen Kurzstrecken Flug buchen muss, dann versuche ich möglichst kein Gepäck aufzugeben. Also passt auf, wenn ihr einen Flug mit dieser Airline bucht. Die billigen Preise sind verlockend, aber genauso billig ist auch der Kundenservice.


Kleiner Tip, wenn ihr Flüge mit Billigfliegern bucht: passt auf, für was ihr da zahlt. Im ersten Moment sieht es vielleicht sehr günstig aus, aber da wird sehr clever versucht, einem das Geld aus der Hosentasche zu ziehen mit allen möglichen Extras wie, zum Beispiel, ein reservierter Sitzplatz, extra Gepäck und irgendwelche komischen Versicherungen. 

Ryanair: überhaupt keine schlechte Airline. Eigentlich immer pünktlich, günstig und eine nette Crew, aber ihr müsst für einen Sitzplatz zahlen. Wenn nicht, dann heißt es: wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ihr müsst euch mit den anderen Passagieren um euren Platz „prügeln“. Aber wenn ihr nur nach England oder Irland fliegt, ist es eigentlich auch völlig egal wo ihr jetzt sitzt. Also, aufgepasst und Geld sparen.


Das modernste Flugzeug, mit dem ich jemals geflogen bin, gehörte zu Aeroflot. Ebenfalls ein zehneinhalb Stunden Flug von Havanna nach Moskau. Der Flieger selbst sah aus, als ob er direkt neu aus der Produktion gekommen wäre. Alles glänzte noch und war so verdammt sauber, dass man vom Boden hätte essen können. Die Sitze waren weich und sehr bequem. Es gab genügen Beinfreiheit und ebenfalls genügend Platz für das Handgepäck.


Ein kleines Päckchen wartete auf jeden von uns mit der üblichen Decke und dem Kissen darin und zusätzlich noch zwei Aufklebern, die man auf der Rückenlehne seines Sitzes befestigen konnte und die der Stewardess mitteilten, ob sie einen aufwecken sollte oder nicht, wenn das Essen serviert werden würde. Außerdem gab es noch eine Schlafmaske und Hausschuhe, falls man die Toiletten nutzen musste und nicht extra seine Schuhe wieder anziehen wollte. Das Entertainment-System war eines der neuesten, dass ich jemals gesehen hatte. Super Film- und Tonqualität. Draußen, am Rumpf des Fliegers war eine Kamera angebracht, sodass wir Start und Landung live mitverfolgen konnten.

Das Essen war ebenfalls gut. Da gab es nur eine Sache, an die ich nicht gewohnt war.

Wenn man mit Delta oder irgend einer anderen amerikanischen Airline fliegt, wird deren Service solange durchgezogen, bis die Turbulenzen so heftig sind, dass man sich nicht mehr auf seinen Beinen halten kann. Während unserem Flug nach Moskau wurde bei jedem kleinen Wackler sofort der Service eingestellt und wir mussten uns anschnallen. Wenn man vier Anläufe braucht, um endlich etwas zu trinken zu bekommen, dann kann das eventuelle etwas nerven aber hey, Sicherheit geht vor, oder etwa nicht? Die Crew schien ebenfalls nett zu sein, was ich allerdings nicht wirklich beurteilen konnte, da so gut wie alles auf russisch erzählt wurde, was aber auch nicht gestört hat. Das Flugzeug selbst war einfach so modern, dass es alles andere wieder gut gemacht hat.

Einmal kostenlos in die Businessclass mit Copa
Einmal kostenlos in die Businessclass mit Copa

Die freundlichste Fluggesellschaft, mit der ich jemals geflogen bin und die ebenfalls sehr modern war, war Copa Airlines. Eine der größten Fluggesellschaften, die es in Panama gibt. Ich habe keine lustigere oder freundlichere Crew als die von Copa erlebt. Wir wurden sogar in die Businessclass hochgestuft – völlig umsonst und ohne, dass wir danach gefragt hätten – auf unserem Flug von Libera nach Punta Cana und es wurde sich außerordentlich aufmerksam und gut um uns gekümmert.

Das waren die besten und schlimmsten Flugerlebnisse in meinem Leben. Ich habe einige Zeit über den Wolken verbracht, mit vielen verschiedenen Fluggesellschaften und kann euch bestätigen, die Anreise beeinflußt definitiv den Start in euer Abenteuer.


Also denkt daran, haltet die Augen offen beim Buchen einer Airline. Asiatische Fluggesellschaften sind grundsätzlich immer gut, ebenso Amerikanische – wie schon erwähnt - aber überprüft lieber zweimal, wenn ihr einen Billigflieger bucht.

Bis dahin, fröhliches Reisen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0