858 KM YEE-HAW - EIN TEXAS ROADTRIP

Die United States of America sind bekanntlich das Land der unbegrenzten Freiheit und kein anderer Bundesstaat repräsentiert dieses Gefühl besser als Texas. Dort bekommt ihr eure Freiheit, zusammen mit einem großen Steak, Cowboystiefeln und leergefegten Straßen serviert.

Mein Trip nach Texas ist bereits ein paar Jahre her, um genau zu sein: vier. Meine Mitreisenden und ich, wir dachten uns, wenn schon, denn schon und sind im Juli über den großen Teich geflogen.


Ja, Texas im Juli. Als Europäer. Ich weiß, komplett verrückt und ich habe auch nie wieder einen Ort auf der Welt erlebt, der heißer war als Texas. Nun ja, Havanna ist da schon ziemlich nah ran gekommen, aber übertrumpft hat die durchschnittlich 45°C, die wir in Texas vor Ort hatten, nicht. Aber mal abgesehen davon, war es eine wirklich tolle Zeit.

Warum genau Texas? Weil es die Verkörperung eines typischen Western Films ist. Die Cowboys, der Viehtrieb, Farmen, leere und weitläufige Straßen und trotzdem gibt es noch soviel mehr. Naturschutzgebiete, die Kultur des Staates, die durch seinen Nachbarn Mexico geprägt wurde und die Mischung aus Moderne und alten Traditionen.


Unser Road Trip startete in Dallas, wo wir unseren Mietwagen, nach einem gut zwölf Stunden Flug von Schiphol in Amsterdam, abgeholten. Wir hatten uns einen kleinen SUV reserviert. Naja, wenn man schon in Texas ist, muss man es auch auf die texanische Art und Weise erleben. Aber wie sagt man so schön? Everything's bigger in Texas und wenn dort von einem kleinen SUV gesprochen wird, dann drehte es sich in unserem Fall um einen Dodge Nitro und ja, wir waren nicht das größte Auto auf dem Highway, aber verdammt, das Auto war riesig.

Das erste Problem, das sich uns aufzeigte, war die Route aus dem Flughafen raus und auf den Highway in Richtung Fort Worth. Wir mussten eine Gebühr bezahlen und jeder, der schon einmal einen amerikanischen Film gesehen hat, kennt diese kleinen Buden, die man passieren muss, um auf die Straße zu gelangen, auf die man möchte. Allerdings waren da nicht nur drei oder vier Reihen, nein es gab ungefähr zehn Stück, in die man sich einordnen musste. Wir, ganz auf der rechten Seite. Unsere Auffahrt, ganz auf der Linken. Direkt vor uns, eine riesige Baustelle. Nun, da ich hier sitze und diesen Bericht schreibe, habe ich offensichtlich überlebt, aber für ein paar Sekunden dachte ich, dass ich bei diesem Spurwechsel sterbe. Kurzes Luftanhalten, aber wir haben es geschafft - – Respekt an unsere Fahrerin Jenn. Sobald man da mal rausgekommen ist, ist das Fahren in den USA gar nicht so kompliziert. Es gibt kein Rechtsfahrgebot wie in Deutschland, es ist sogar ziemlich ungewöhnlich, die ganze Zeit zu überholen. Man sucht sich einfach seine Spur aus und auf der bleibt man dann auch, es fahren ja eh alle mit Tempomat.

Das erste große Abenteuer war völlig kostenlos und hieß Walmart in Fort Worth. Als Europäer ist man einfach völlig überwältigt. In einem deutschen Supermarkt bekommt man es nicht zu sehen, dass sich neben der Abteilung für Babykleidung, die Abteilung für Waffen befindet. Genauso wenig kann man in Deutschland im Supermarkt ein 2 kg Steak, verpackt in Herzform, kaufen. Und die Müsli-Abteilung erst. Alle Farben, Formen und Geschmäcker, die man sich nur vorstellen kann, da wird jeder wieder zum Kind.

Wenn ihr Fort Worth besucht, gibt es einen Ort, den ihr auf alle Fälle gesehen haben solltet. Es ist vermutlich eine Touristenattraktion, doch ich hatte davon mal wieder nichts davon gehört und bin nur dort gelandet, da eine Freundin zu diesem Zeitpunkt ein Praktikum in Texas gemacht hatte und vorgeschlagen hatte, dass wir uns dort treffen könnten. Die Fort Worth Stockyards.

Ein historischer Distrikt, der alles bietet, was das Cowboy-Herz so braucht. Burger (Texas ist im allgemeinen DER Burger-Staat schlechthin), das berühmte Texanische Longhorn, Country-Musik und das Stockyard Championship Rodeo, jeden Freitag und Samstag Abend gegen acht Uhr. Der Eintritt kostet 17,50 Dollar / 15 Euro für Erwachsene. Mir hat die Show wirklich gut gefallen. Die Einheimischen treten hier in verschiedenen Kategorien wie Bullenreiten, Reiten ohne Sattel, dem sogenannten Barrel Racing und dem Tie-down Roping an. Gute Laune garantiert, es gibt viel zu sehen und ich schwöre euch, danach will man alles hinschmeißen und Cowgirl oder Cowboy werden.


Der nächste Punkt auf unserer Tour war der sogenannte Hamilton Pool, eine historische Grotte in der Nähe von Austin, in den Travis County Parks. Wir hatten uns schon auf den Pool gefreut, da es sich um den heißesten Tag unserer Tour handelte mit rund 46° C. Die Sache ist nämlich die, mit einem Mietwagen in den USA, sie sind alle mit einer Klimaanlage ausgestattet und zwar mit einer ziemlich guten. Es gibt nur drei Stadien. Kalt, kälter, Antarktis. Man ist unterwegs, friert fast schon und wenn man die Klimaanlage ausmacht und mit offenen Fenster fährt, wird es gleich wieder zu warm, also läuft man direkt in eine Wand, sobald man das Auto verlässt.
Wir kamen am Hamilton Pool an, sind durch die Natur gewandert, freuten uns auf unsere Abkühlung im natürlichen Pool, was wir allerdings nicht bedacht hatten, war, dass Wasser ab einer bestimmten Temperatur kippt. Also kam, was kommen musste.

Wir liefen in ein Schild, das uns mitteilte, dass es wegen zu hoher Bakterienbelastung verboten sei zu schwimmen. Ein paar Tränen wurden verdrückt – nicht zu viele, da wir ja keine Dehydration riskieren wollten – man konnte ein 'Gott, warum tust du uns das an?' hören, aber dann konnten wir uns endlich auf den Anblick konzentrieren. Mal abgesehen vom Wasser, dass eine wirklich eklig grünliche Farbe angenommen hatte, war es ziemlich schön. Eine hohe Felswand, deren Kante über das Wasser hinaus ragte, die Überbleibsel eines 15 Meter Wasserfalls. Es waren nicht zu viele Touristen vor Ort und im Schatten der Felswand konnten wir uns letztendlich auch ein bisschen abkühlen, auch ohne ins Wasser zu kommen.



Danach fuhren wir weiter nach San Antonio, berühmt für das Alamo und den river walk. Das Alamo ist ein Überrest des Texanischen Unabhängigkeitskrieges, eine alte Mission, die noch immer geöffnet ist und einem die Geschichte des Krieges näher bringt. Was mir an San Antonio am meisten gefallen hat, war der river walk - man wandert am Wasser entlang, genießt etwas Gutes zu essen, einen Cocktail dazu und beobachtet die Menschen – der mexikanische Markt El Mercado am Market Square, mit der mexikanischen Bäckerei MiTierra, die niemals schließt und eine bizarre Dekoration aus Skeletten und Weihnachtsschmuck darbietet und der Tower of the Americas, mit dem besten Blick auf den Sonnenuntergang. Normalerweise kostet es 12 Dollar / 10 Euro um auf das Observation Deck zu kommen, wir hatten jedoch Glück. Ein Typ kam einfach auf uns zu und hat uns Gutscheine in die Hand gedrückt. Es gibt also doch noch nette Menschen auf dieser Welt.


Wenn ihr auf Geistergeschichten steht, dann empfehle ich euch das, nach wie vor geöffnete, Menger Hotel. Bekannt als das am meisten, von Geistern heimgesuchte Hotel in ganz Texas. Bis zu achtunddreißig Geister sollen hier ihr Unwesen betreiben. Ich habe das Ganze nur von außen gesehen und es sah recht hübsch aus, aber wer weiß, was sich hinter diesen Wänden so alles abspielt ;)


Unser letzter Punkt auf der Liste war Houston. Da die Hurricane Saison bereits begonnen hatte, war die Luftfeuchtigkeit unglaublich hoch und wir haben bereitwillig unseren ersten Nachmittag in einer der riesigen Malls – The Galleria – verbracht. Dort drinnen konnte man sich wirklich verlaufen, so groß war es. Es gab sogar eine Eislaufbahn.

Natürlich hatten wir auch der NASA einen Besuch abgestattet. Wenn man in Houston ist, dann kann man das nicht auslassen.

Unsere kleine Tour wurde allerdings von den Guides unterbrochen, die uns zurück zu unserem kleinen Shuttlebus hetzten, um zum Hauptgebäude zurück zu fahren, da der Wetterdienst wohl eine Blitzwarnung herausgegeben hatte. Die Wolken hatten sich bereits am Horizont aufgetürmt und wir hatten es nicht einmal mehr zu unserem Golfwägen geschafft. Es hat nicht einfach nur geregnet, nein, es war als würde jemand einen riesigen Eimer voll mit warmen Wasser über uns ausschütten. Innerhalb von Sekunden standen wir Knöcheltief im Wasser, rannten zum Shuttle und die Blitze schlugen um uns herum ein. Zurück im Hauptgebäude hatten wir uns dann natürlich den Arsch abgefroren, da unsere Klamotten klatschnass waren und die Klimaanlage das Gebäude auf 18°C herunterkühlte. Die Amerikaner stehen auf einen plötzlichen Temperatursturz.


Alles in Allem war es ein ziemlich lustiger Trip und ich bin mir sicher, dass ich Texas eines Tages wieder besuchen werde, aber seit gewarnt, wenn ihr Vegetarier seid, dann werdet ihr euch dort schwer tun. Veganer, ihr solltet lieber ganz Zuhause bleiben ;)

Bis dahin, fröhliches Reisen und don't mess with Texas.


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